Breathwork

Wie wirkt Breathwork auf das Nervensystem?

Warum ein bewusster Atemzug mehr verändert, als die meisten Menschen denken.

Veröffentlicht am 13. August 2026

Atmung ist die einzige Funktion unseres autonomen Nervensystems, die gleichzeitig automatisch abläuft und sich bewusst steuern lässt. Genau das macht sie zu einem so direkten Zugang zur eigenen Physiologie - und zur Grundlage von Breathwork.

Was passiert im Körper, wenn du bewusst atmest?

Unser autonomes Nervensystem reguliert unbewusst Prozesse wie Herzschlag, Verdauung oder Atemfrequenz. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Gegenspielern: dem Sympathikus, der uns aktiviert und in Alarmbereitschaft versetzt, und dem Parasympathikus, der beruhigt und regeneriert. Der Vagusnerv ist dabei die zentrale Verbindungsleitung des Parasympathikus - und er reagiert direkt auf die Art, wie wir atmen.

Wird der Atem langsamer und die Ausatmung länger als die Einatmung, sendet das dem Körper über den Vagusnerv ein Signal: Es ist sicher, herunterzufahren. Wird der Atem hingegen schneller und forcierter, wirkt das eher aktivierend.

Warum langsames Atmen beruhigt

Ein Messwert, der in der Forschung zur Atmung besonders häufig herangezogen wird, ist die Herzratenvariabilität (HRV) - die Schwankung des zeitlichen Abstands zwischen einzelnen Herzschlägen. Eine höhere HRV gilt allgemein als Hinweis auf ein flexibleres, besser reguliertes Nervensystem. Langsame, kontrollierte Atemtechniken können die HRV und die parasympathische Aktivität beeinflussen und dabei mit einer Reduktion von subjektiv empfundenem Stress einhergehen.

Wichtig dabei: Diese Effekte sind kein Beweis dafür, dass Atmung jedes Problem löst - sie zeigen lediglich, dass Atemmuster messbar mit dem Zustand des Nervensystems zusammenhängen.

Nicht jede Atemtechnik wirkt gleich

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Breathwork immer beruhigen soll. Tatsächlich unterscheidet man grob zwischen beruhigenden Techniken (z. B. verlängerte Ausatmung, 4-7-8-Atmung) und aktivierenden Techniken (z. B. schnellere, kraftvollere Atemmuster). Beide haben ihre Berechtigung - die Frage ist nicht, welche Technik grundsätzlich „besser“ ist, sondern welche gerade zum eigenen Zustand passt.

Genau das ist der Kern meiner Arbeit: nicht eine feste Abfolge von Übungen abzuarbeiten, sondern zu lernen, wann welche Art von Atemarbeit gebraucht wird.

Ist die Wirkung von Breathwork wissenschaftlich belegt?

Die Verbindung zwischen Atmung, Vagusnerv und autonomem Nervensystem gehört zu den am besten untersuchten Bereichen der Atemforschung. Weniger eindeutig belegt sind pauschale Versprechen einzelner Anbieter zu spezifischen Heilwirkungen - hier lohnt sich ein kritischer Blick. Breathwork ist außerdem nicht für jede Person und jede Technik gleichermaßen geeignet; mögliche Kontraindikationen sollten vor der Teilnahme abgeklärt werden.

Hinweis: Breathwork ist keine medizinische Atemtherapie, sondern eine bewusst-übende Praxis zur Selbsterfahrung und Nervensystem-Regulation.

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